Sechs mal hundert Jahre, sechs mal drei Generationen: Vater, Großvater, Urgroßvater - das in etwa ist die Zeitspanne, auf die Schloss Rathsmannsdorf zurückblickt. Die einstige Burg hoch über der Donau war bedeutende Gerichtsstätte, sie überlebte den Dreißigjährigen Krieg, diente als Sommerfrische für Passauer Bischöfe und war, ganz weltlich, Ausflugsziel durstiger Bürger: Mitte des 19. Jahrhunderts wurde hier Bier gebraut und gelagert.

In der "großen" Geschichte hat Schloss Rathsmannsdorf nie eine bedeutende Rolle gespielt.
Doch noch heute kündet die Anlage vom mächtigen Einfluss der Oberen, egal ob die nun Fürstbischof waren oder Lehensgraf. Hier wurde Recht gesprochen, nicht immer so, wie wir Heutigen uns "Recht" vorstellen. Hat vielleicht trotz allem auch ein sinnenfroher, ja kunstsinniger Geist hier einst geherrscht? Die Arkadengänge der alten Burg aus dem Zeitalter der Renaissance lassen die Vermutung zu. Ihre luftige Architektur ist Hinweis, ist Anregung und Ansporn für eine neue Generation: auf dass Leben und Frohsinn wieder einkehren in den Mauern von Schloss Rathsmannsdorf!
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2015

Das Schloßgut mit seinem G'stüt wird wieder zum Leben erweckt. Im August 2015 wurde das fertig renovierte G'stüt mit einem großen Opening-Event eingeweiht. Auch das Schloßgut wird ständig erweitert um eine extravagante Location für viele weitere Events zu werden.
2014

Um den fortschreitenden Verfall zu stoppen und das gesamte Ensemble neu zu beleben, erwirbt der Dipl.-Ing. Roland Kaupa auch das Schloss Rathsmannsdorf. Noch im selben Jahr beginnen die Bautätigkeiten.
2012

Das Herrenhaus erhält einen neuen Eigentümer. Der Pockinger Ingenieur Kaupa ersteht die Gebäude und führt sie neuen Bestimmungen zu.
In den Folgejahren

Das Problem ist unübersehbar: Die Witterung setzt dem jahrhundertealten Schloss zu. Morsche Balken machen den Aufenthalt in den Räumen zu einer Gefahr für das Leben, wildwucherndes Wurzelwerk hat besonders die Mauern der alten Wehrtürme unterminiert, irrsinnige Bausünden wie eine Betondecke haben der Burg beinahe den Garaus gemacht. Doch immer noch ist reichlich Charme vorhanden, der eine Wiederbelebung verdient und eine Restauration, die rettet, was so einzigartig ist wie die Arkadengänge. Unter dem Schloss, so heißt es, seien mannshohe, ach! pferdehohe Gänge verborgen. Vielleicht waren es Fluchtwege, vielleicht waren es Versorgungsgänge. Früher einmal (noch vor 80 Jahren) wurde in der Gegend Braunkohle abgebaut, auch eine Katastrophe hat es gegeben: Am 28. September 1917 werden drei Bergleute verschüttet, als im benachbarten Babing ein Stollen einbricht! Einer der Bergleute stammt aus Rathsmannsdorf – beerdigt werden sie in einem gemeinsamen Grab.
1989

Nach dem Tod der Gräfin von Preysing wird das Grundstück im Jahr 1989 geteilt in Kernburg und Herrenhaus.
1945

In seiner Autobiografie schreibt der Graf, dass „… auf dem Weg zum Abort einen der Wind durch die vielen Risse und Fugen entgegenpfiff“. In dieser Zeit dient das Schloss Aussiedlern als Notunterkunft, und auch wenn der Zustand der Gemäuer nicht sonderlich gut ist, so wird in dieser Zeit zumindest noch notdürftig gehandwerkt und geflickt.
1911

Emanuel Graf von Preysing wird Schlossbesitzer.
1906

Im Schlossgarten wird ein neues Schulhaus errichtet
1883

Wie eine schnöde Immobilie gerät das Schloss in den Bestand der Immobilienbank.
1878

Baron Ruffin verkauft das Schloss an ein „Consortium“ von fünf Bürgern aus Rathsmannsdorf.
1870

Auf dem Schloss geht es hoch her! Wilhelm von Ruffin hat den Westflügel ebenfalls für Brauereizwecke umgebaut und dabei den Burgvorplatz unterkellert.
1866

Dem neuen Schlossbesitzer liegt das Seelenheil der Gemeinde Rathsmannsdorf ebenfalls am Herzen! Baron Ruffin unternimmt einen Vorstoß bei Bischof Heinrich von Hofstätten und hat damit Erfolg: Rathsmannsdorf, genauer: St. Ulrich wird Expositur, also ein Seelsorgebezirk ohne eigene Vermögensverwaltung. Die Kirche St. Ulrich hat ihre eigene Geschichte erlebt und wird wie das benachbarte Schloss noch viele teils befremdliche Tage sehen (Druckerei, Unterkunft für Obdachlose…)
1862

Baron Ruffin erwirbt das Schloss. Kein schlechter Schachzug, denn der Baron ist auch Schwiegersohn von Georg Seidl. Nun hat er Zugriff und Einfluss auf die Brauerei.
1859

Das Herrenhaus im östlichen Vorbereich der Burg- bzw. Schlossanlage wird gebaut.
1840

Der Wirt Georg Seidl richtet eine Brauerei ein. Schon zehn Jahre später ist diese Brauerei pleite, doch in der Zwischenzeit hat Seidl auch Gutes getan und sich für eine volle Pfarrersstelle für Rathsmannsdorf engagiert. Bisher wird Rathsmannsdorf von Otterskirchen aus mit geistlichem Beistand versorgt; ein besonders in unwirtlichen Zeiten sehr weiter Weg.
1803

Die Säkularisation greift um sich: Kirchlicher Besitz wird verstaatlicht! In diesen unruhigen und unüberschaubaren Wirren gelingt Georg Seidl ein Coup: Der Wirt kauft Schloss Rathsmannsdorf aus dem Bayerischen Staatsbesitz!
1802

Das Fürstentum Passau wird im Vertrag von Paris dreigeteilt. Rathsmannsdorf (das Pflegegericht) und die Rathsmannsdörfer werden Bayern.
1740

Der österreichische Erbfolgekrieg tobt und zieht die ganze Welt mit hinein. Auch das Schloss Rathsmannsdorf leidet darunter: Husaren, berittene Truppen, fallen um 1744/45 in die Gegend ein und zerstören, was sich ihnen in den Weg stellt: Thundorf, Markt Winzer mit seiner Burg und – Schloss Rathsmannsdorf. Ganz so schlimm ist es auf dem Schloss allerdings nicht gekommen, es wurde nicht zerstört, sondern „nur“ beschädigt.
1578

Aus der Burg wird ein Schloss! Bischof Urban von Trenbach (1525 bis 1595), er ist damals Fürstbischof von Passau, macht sich die Erfahrung zunutze, die er in Passau gewonnen hat. In seinem 20 Kilometer donauabwärts gelegenen Bischofssitz haben norditalienische Künstler auf sein Geheiß das Bild der Stadt erheblich geprägt. Und da der Bischof gerne in die Sommerfrische nach Rathsmannsdorf zieht, lässt er die Burg umbauen: Burg Rathsmannsdorf (nunmehr Schloss Rathsmannsdorf) erhält ein neues, ein italienisch anmutendes Gesicht! Die dreiflügelige Burganlage lässt Bischof Urban zu einer Vierflügelanlage erweitern. Dreigeschossige Arkadengänge umgeben im Westen und Süden den rechteckigen Innenhof – ein Renaissancegebäude entsteht! Heute ist nur noch der westliche Teil erhalten.
1502

Die Existenz einer Kapelle in der Burg wird durch eine Urkunde belegt.
1449

Ritter Georg von Frauenberg (oder ist es der Jörg? Es gibt darüber unterschiedliche Quellen) verkauft die Burg an Fürstbischof Leonhard. Der Passauer Bischof macht die Festung zum Verwaltungssitz seines fürstbischöflichen Landgerichts.
1448

Johann Landgraf zu Leuchtenberg und Graf zu Hals übereignet dem Ritter Jörg von Fraunberger zu Hag das Schloss Rathsmannsdorf. In den Regesten liest sich das so: „Johanns, Landgraf zu Leuchtenberig und Graf zu Halls, eignet dem Ritter Jorig dem Fraunberger zum Hag das Schloss Ratzmansstorff, die zugehörigen Gülten und Zehenten und befreit sie vom Lehensverband der Grafschaft Hals.“ In diesem Zusammenhang erhebt sich ein Rechtsstreit und es tauchen ungeklärte Fragen nach dem rechtmäßigen Erbe auf: Angeblich gibt es die Burg seit etwa dem Jahre 1400. Wie auch immer: Die Übereignung ist der älteste schriftlich festgehaltene und heute noch erhaltene Beleg.
1447

Die alte Kirche in Rathsmannsdorf wird eingeweiht und heißt nun St. Ulrich. So steht es in den Regesten des Passauer Abteilandes, jenen Zusammenfassungen aller rechtlich bedeutsamen Vorkommnisse in Urkunden des Mittelalters. Die Einweihung übernimmt Ulrich von Hering (weswegen er als der Namensgeber angesehen wird, ohne dass es dafür einen Beleg gibt). Ulrich von Hering ist der Herr auf Burg Rathsmannsdorf.
1207

Erneut findet Rathsmannsdorf Erwähnung: Es ist die Rede von 1.800 Mark Silber Kaufpreis, als Rathsmannsdorf (die Burg? der Ort? Die Quellen sind hier nicht eindeutig) von Bischof Manegold übernommen wird. Burg Rathsmannsdorf geht als Lehen an die Grafen von Hals. In Kunstdenkmälern taucht eine Festung auf, aus der sich auf eine Burg Rathsmannsdorf um 1268 schließen lässt – auch diese Angabe ist nicht durch harte Fakten belegbar.
1080

Um 1080 erscheint Rathsmannsdorf zum ersten Mal auf der Bühne der Geschichte.

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